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Die
Sonne lachte und es war angenehm warm an diesem schönen
Tag im Mai. In dem großen Garten standen Blumen, Sträucher
und Obstbäume in voller Blüte. Eine große,
lustige Gesellschaft saß an weißgedeckten Tischen,
Musik ertönte und auf dem Rasen tummelte sich eine Meute
von ca. 25 Terriern aller Rassen:
Der
örtliche Terrierclub feierte ein Frühlingsfest mit
Kaffe, Kuchen und Grillabend im Garten des 1. Vorsitzenden.
Mein Mann und ich und unsere süße, kleine Yorkiehündin
"Tina" waren die "Neuen" in diesem Verein.
Während wir beide noch etwas schüchtern versuchten
neue Kontakte zu schließen, hatte "Tina" damit
gar kein Problem. Kaum hatten wir den Garten betreten, düste
sie schon los und kläffte zu meinem Entsetzen sofort
einen der großen Airedale-Terrier an. Bevor dieser überhaupt
bemerkt hatte, wer da so frech zu ihm war, raste der kleine
Quirl schon weiter zu einer Gruppe Westies, Bedlington- und
Cairn-Terriern, und sofort ging ein fröhliches Fangenspiel
los. Eine Weile sahen wir dem munteren Treiben amüsiert
zu, dann setzten wir uns zu den anderen Gästen. Besorgt
fragte ich unseren Gastgeber, ob der Garten auch abgesichert
sei und die kleineren Hunde ganz bestimmt nicht hinaus könnten.
Er zeigte mir, dass er den Gartenzaun mit engem Maschdraht
gesichert hatte, der zusätzlich noch in die Erde eingegraben
war, damit unseren neugierigen, pfiffigen Terriern das "Ausbrechen"
möglichst schwer gemacht wurde. Beruhigt widmeten wir
uns jetzt dem Kaffetrinken und hörten gebannt den "Hunde-Gesprächen"
der erfahrenen Terrierbesitzer zu. Damals hatte außer
uns niemand einen Yorkie in diesem Verein und ich hatte den
Eindruck, dass man uns ein bißchen belächelte.
Speziell die Gruppe der Airedale-Besitzer, schien sich köstlich
über "den Hamster mit dem roten Schleifchen"
zu amüsieren. Stolz demonstrierten einige, wie brav ihre
Hunde neben ihrem Herrn "Platz" machten. Sie taten
mir leid, wie sie dort Stunde um Stunde verbrachten, während
die kleineren Terrier in ihr lustiges Spiel vertieft waren.
Nach einiger Zeit waren wir so sehr in Gespräche und
Diskussionen über die Vorzüge und Charaktereigenschaften
von Yorkies und anderen Terriern vertieft, dass wir nicht
mehr alle Augenblicke auf "Tina" achteten. Schließlich
stand mein Mann doch einmal auf, um nach unserer Kleinen zu
sehen. Kreidebleich kam er zurück und flüsterte
mir ins Ohr: "Tina ist weg!"
Mir fiel vor Schreck fast die Kaffetasse aus der Hand. "Das
darf nicht wahr sein", sagte ich und meine Stimme war
vor Entsetzen lauter, als ich es beabsichtigt hatte. Die anderen
Gäste wurden aufmerksam und fingen sofort an, mit uns
den Garten und die Umgebung abzusuchen. Alle paar Sekunden
rief jemand "Tina", "Tina". Mein Mann
kroch auf allen Vieren unter jeden Busch, jemand quietschte
mit einem Gummiball, um sie anzulocken, ein anderer rief ständig
"Lecker,lecker,lecker!", in der Hoffnung Tina würde
darauf hereinfallen. Ich saß in Tränen aufgelöst
und einer Ohnmacht nahe auf der Hollywood-Schaukel und war
nicht fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Plötzlich
hörte man außer dem "Tinagerufe" auch
noch andere Laute: "Bijou, wo bist Du???? Flocki, sofort
bei Fuss!!!" Offensichtlich fehlten auch noch andere
Hunde - und "Bijou" war ein Airedale-Terrier. Von
wegen, sicherer Gartenzaun! Ich putzte mir die Nase und marschierte
entschlossen auf das Haus zu, denn ich wollte unserem Gastgeber
ganz gehörig die Meinung sagen. In der Küchentür
blieb ich stehen und wußte nicht ob, ich weiter weinen
oder lieber lachen sollte: Auf dem Küchentisch stand
schwänzchenwedelnd und sehr beschäftigt "Tina"
(der Hamster mit dem roten Schleifchen.....) zwischen Bratwürsten,
Kottelets und Schnitzeln, die eigentlich für das abendliche
Grillen bestimmt waren. Eine Bratwurst hatte sie quer im Mäulchen
und einige der Fleischstücke hatte sie offensichtlich
an ihre neuen Freunde "Flocki" und "Bijou"
verteilt, die zufrieden unter dem Tisch daran herumkauten
und die allgemeine Aufregung ignorierten.
Ich
befand mich in einem Gefühls-Chaos: Ich weinte, diesmal
vor Freude "Tina" wiederzuhaben, ich lachte über
die komische Situation und ich wußte, dass ich eigentlich
zornig sein musste , denn was "Tina" dort machte,
das durfte ein braver Hund einfach nicht tun. Inzwischen waren
mir einige der anderen Gäste und unser Gastgeber gefolgt
und betrachteten genau so ungläubig und fasziniert, wie
ich das fröhliche Schnitzelfressen. "Tina"
saß mit ihrer Bratwurst auf dem Tisch und wedelte uns
fröhlich an. Oh Gott, war das peinlich vor all' diesen
erfahrenen Hundebesitzern. Mit hochrotem Kopf ging ich zum
Tisch und es klang scheinbar wenig überzeugend als ich
leise sagte:" Pfui, Tinchen, Du bist ein böser Hund,"
denn um mich herum brachen alle in schallendes Gelächter
aus. Auch "Flocki" und "Bijou" wurden
nur wenig getadelt. Ich bot natürlich an, den Schaden
wieder gut zu machen und man beschloss, das nächste Fest
in unserem Garten zu feiern.
Noch bis zum späten Abend saßen wir mit unseren
Hunden gemütlich um das Grillfeuer herum und jeder hatte
lustige, interessante oder auch traurige, unvergessene Erlebnisse
von treuen, vierbeinigen Freunden zu erzählen. Die Geschichte
vom fleischfressenden "Hamster mit dem roten Schleifchen"
gehörte ab sofort mit zu diesem Repertoire.
MaBu
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